Zuckende Augenlider können plötzlich auftreten und verunsichern die meisten Betroffenen. Meist gibt es keinen klar erkennbaren Grund dafür. Was steckt also dahinter? Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Ursachen von Augenlidzucken. Doch eine Entwarnung vorweg: Meist sind zuckende Augen auf einen Mangel zurückzuführen.
Was ist Augenzucken?
Wenn von Augenzucken die Rede ist, meint man damit eher ein Zucken der Augenlider. Das Lid beginnt leicht zu zittern oder zu flackern. In der Regel tritt dies plötzlich, also sehr spontan, und ohne ersichtlichen Grund auf. Außerdem sind meist einzelne Muskelfasern des Augenlids betroffen, zum Beispiel:
- Musculus levator palpebrae: der Augenlidheber
- Musculus orbicularis oculi: Augenringmuskel
Während der Augenlidheber dafür zuständig ist, das Lid anzuheben, ist der Ringmuskel ein wichtiger Teil der mimischen Muskulatur im Gesicht. Lidschluss, Blinzeln, Zwinkern – all das erledigt dieser Muskel.
In der Medizin haben diese kurzen, unkontrollierten Muskelbewegungen übrigens einen eigenen Namen: Faszikulation. Ein weiterer wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist „Myokymie“. Dieser beschreibt ein meist harmloses, unwillkürliches Zucken einzelner Muskelgruppen.
Charakteristisch für das Augenzucken ist, dass meist nur ein Lid zuckt und der Zustand nur wenige Sekunden anhält. In manchen Fällen tritt es mehrere Tage auf oder kommt immer wieder. Üblich ist auch, dass das Zucken von außen häufig kaum sichtbar ist. Oftmals nimmt man es eher als leichtes Zittern des Augenlids wahr.
Ursachen von Augenzucken
Wenn das Augenlid zuckt und das auch noch sehr plötzlich, kann das sehr verunsichernd sein. Allerdings liegen ein den meisten Fällen harmlose Ursachen für Augenzucken zugrunde. Ein Warnsignal für eine ernstzunehmende Erkrankung ist es also in aller Regel nicht. In der Medizin nennt man es auch „benignes Faszikulieren“, also gutartiges Muskelzucken.
Um zu verstehen, warum sich eine plötzliche, unkontrollierte Bewegung der Augenmuskulatur auftritt, ist es wichtig, die Funktionsweise von Muskeln allgemein zu verstehen: Muskeln können sich nur zusammenziehen, wenn sich die Konzentration bestimmter Blutsalze in den Muskelzellen verändern. Das sind unter anderem Kalium, Kalzium und Magnesium. Man spricht auch von Muskelkontraktionen.
Über spezielle Kanäle in der Zellmembran werden die Mineralstoffe reguliert. Wenn es jetzt jedoch zu einer Störung des Gleichgewichts kommt, ist es möglich, dass sich die Muskeln unkontrolliert zusammenziehen.
Nun, da die Zusammenhänge zwischen den Mineralstoffen und dem Augenzucken geklärt sind, geht es an die eigentlichen Auslöser. Denn es gibt verschiedene Faktoren, die einen Einfluss auf die Regulation der Nährstoffe haben.
Alkohol, Koffein und Nikotin als Auslöser für Augenzucken
Dass der übermäßige Konsum der genannten Genussmittel schädliche Auswirkungen haben kann, steht außer Frage. Tatsächlich kann auch Augenzucken eine Folge davon sein:
- Alkoholkonsum: Alkohol dehydriert den Körper. Doch er entzieht ihm nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Vitamine und Mineralstoffe. Das kann zur Folge haben, dass der Magnesiumspiegel sinkt und die Augenmuskeln zu zucken beginnen.
- Koffeinkonsum: Koffein erhöht die Muskelspannung im gesamten Körper – auch in den Augenlidern.
- Nikotinkonsum: Nikotin ist in der Lage, bestimmte Rezeptoren zu beeinflussen, die eine Rolle bei der Muskelsteuerung spielen.
Was Sie tun können: Beeinträchtigt der Lebensstil die Gesundheit, gilt es, ihn anzupassen.
Mineralstoffmangel
Eine sehr häufige Ursache für zuckende Augenlider ist ein Nährstoffmangel. Vor allem ein Magnesiummangel spielt eine große Rolle, da Magnesium der Mineralstoff ist, der zur normalen Funktion von Nerven und Muskeln beiträgt.
Wenn der Körper über zu wenig Magnesium verfügt, verändert sich das Gleichgewicht der Mineralstoffe in den Muskelzellen. Die Stabilität der Zellmembran kann gestört werden und das Ergebnis ist, dass das Auge zuckt.
Ein Magnesiummangel kann sich außerdem durch andere Muskelzuckungen – etwa in den Beinen oder anderen Körperbereichen – oder Muskelkrämpfe äußern. Zudem berichten viele Betroffene von Kopfschmerzen. Und auch die Hautbarriere wird geschwächt, weshalb viele eine trockene, juckende oder schuppige Haut haben.
Was Sie tun können: Gute Magnesiumquellen sind Nüsse, Haferflocken und Hülsenfrüchte. Kurzfristig können Sie auch Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Beachten Sie dabei nur, dass diese eine gesunde und ausgewogene Ernährung nicht ersetzen.
Vitaminmangel
Nicht nur der Mangel an Mineralstoffen kann Augenzucken begünstigen. Auch dann, wenn dem Körper gewisse Vitamine fehlen, äußert sich das schnell einmal durch zuckende Augen.
Vor allem Vitamin B12 spielt eine Rolle. Es ist in Nahrungsmitteln wie Fisch, Fleisch, Eiern und Milchprodukten enthalten. Bei einer veganen Ernährung muss daher häufig supplementiert werden, damit der Vitamin-B12-Haushalt nicht gestört wird.
Stress führt zu Augenzucken
Stress ist inzwischen eine Volkskrankheit. Viele Menschen fühlen sich andauernd gestresst, was den Körper zwangsläufig verändert. Was passiert dabei? Die Konzentration der Stresshormone Adrenalin und Cortisol im Körper steigt. Sie aktivieren Rezeptoren im zentralen Nervensystem, was die Muskelspannung erhöht.
Stress gehört zu den häufigsten Ursachen für Augenlidzucken. Doch Stress zu reduzieren, fällt vielen gar nicht so leicht. Ausgiebige Spaziergänge in der Natur, regelmäßige Entspannung – auch in Form von Atemübungen oder Yoga – sowie Sport können helfen, mentale Stärke aufzubauen und Stressauslöser loszuwerden.
Übrigens: Auch andere seelische Belastungen wie Nervosität, starke Erschöpfung oder Ängste können zu Lidzucken führen.
Schlafmangel als Ursache für Augenzucken
Mit Stress geht oft ein Mangel an Schlaf einher. Wer nicht genug schläft, beeinträchtigt das Nervensystem und die Augenmuskulatur: Sie können einfach nicht zur Ruhe kommen. Die Folge: Augenlidzucken. Neben den genannten Methoden zur Stressreduktion kann auch gezieltes Schlaftraining hilfreich sein.
Bildschirmzeit und zuckende Augenlider
Viele Berufe sind darauf ausgelegt, vor einem Bildschirm zu sitzen. Zu Hause geht es bei vielen dann weiter, indem sie Fernseher, Smartphone oder Tablet nutzen. Dadurch stehen die Augen unter Dauerbelastung. Einerseits blinzelt man weniger, andererseits strapaziert das künstliche Licht.
Eine Reduzierung der Bildschirmzeit ist daher ein guter Ansatz, um Augenzucken zu reduzieren. Und trockene Augen, die durch zu wenig blinzeln zwangsläufig entstehen, lassen sich mit Augentropfen in den Griff bekommen.
Trockene Augen
Ganz allgemein können auch trockene Augen Lidzucken hervorrufen. Wie bereits erwähnt, können sie durch zu viel Bildschirmzeit entstehen. Aber auch Zugluft und Schlafmangel begünstigen Augentrockenheit.
Das Nervensystem versucht dann, die fehlende Feuchtigkeit auszugleichen: Die Frequenz des Lidschlags steigt. Durch das Auslösen zu vieler Blinzelimpulse kann es zu einer Überlastung der Augenmuskeln kommen und das Augenlid zuckt.
Augenzucken durch hormonelle Veränderungen
Wenn sich der Hormonhaushalt eines Menschen verändert, ist das ebenfalls ein möglicher Grund für Augenzucken. Gerade Frauen sind davon betroffen: Veränderungen während des Zyklus, aber auch eine Schwangerschaft oder die Wechseljahre können dazu führen, dass die Augen hin und wieder zucken.
Weitere Ursachen für Augenzucken
Neben den genannten Auslösern, die als harmlos und gut behandelbar gelten, kann Augenzucken auch aus anderen Gründen heraus entstehen:
- Bluthochdruck
- Allergien
- Augenentzündungen
- schwere Krankheiten wie Tumore
In diesen Fällen sollten Sie genauer hinsehen. Wenn Sie sich unsicher sind, ist der Gang zum Arzt immer ratsam.
Außerdem können die Augen Ermüdungserscheinungen zeigen, wenn Sie eine Fehlsichtigkeit haben, diese jedoch noch nicht erkannt wurde. Sei es eine Kurzsichtigkeit, eine Weitsichtigkeit, eine Alterssichtigkeit oder Astigmatismus – werden die Augen häufig zusammengekniffen, kann das ebenfalls zuckende Augenlider hervorrufen.
Wie gefährlich ist Augenzucken und ab wann sollten Sie zum Arzt?
Grundsätzlich ist Augenzucken zunächst einmal kein Grund zur Sorge. Oft verschwindet es genauso schnell wieder, wie es aufgetreten ist. Wenn Sie allerdings immer wieder bemerken, dass ein Augenlid zuckt, sollten Sie der Sache auf den Grund gehen. Hören Sie auf Ihren Körper – denn irgendetwas scheint dann nicht ganz im Lot zu sein.
Ab wann sind zuckende Augenlider jedoch ein Fall für den Arzt?
- Die Symptome sind nach etwa einer Woche immer noch nicht verschwunden.
- Weitere Beschwerden treten auf.
- Das Zucken ist sehr stark ausgeprägt.
Beim Besuch des Augenarztes sollte auch gleich die Brillenstärke überprüft werden. Liegen weitere Beschwerden wie Entzündungen, eine Rötung oder eine erhöhte Flüssigkeitsproduktion vor, ist es sinnvoll, eingehende Untersuchungen durchführen zu lassen.
Wichtig: Wenn Lähmungserscheinungen auftreten oder Sie plötzliche Seh- und Sprechstörungen bemerken, ist das ein Hinweis auf einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Dies ist ein medizinischer Notfall, der schnellstmöglich abgeklärt und behandelt werden sollte!
Mögliche Krankheiten, die Augenzucken auslösen
Auch wenn Augenlidzucken meist ein harmloses Phänomen ist, sollten Sie über mögliche Krankheiten, die dahinterstecken können, Bescheid wissen:
Spasmus hemifacialis
Bei diesem sehr seltenen Krankheitsbild zucken einseitig Oberlid und Unterlid. Außerdem können weitere Teile der Gesichtsmuskulatur wie Stirn, Mund und Hals betroffen sein. Die Ursache ist ein ungünstiger Kontakt zwischen dem Gesichtsnerv Nervus facialis und einem Blutgefäß. Der pulsierende Druck reizt den Nerv und es entstehen Zuckungen. Diese Krankheit kann zwar unangenehm sein, führt aber nicht zu Schmerzen.
Blepharospasmus
Dieser sehr seltene Lidkrampf äußert sich durch langes, starkes Blinzeln, länger anhaltenden Lidschluss und eine eingeschränkte Sicht. Er gehört zu den fokalen Dystonien, was bedeutet, dass die motorische Steuerung im Gehirn gestört ist. Dadurch kommt es zu unkontrollierten Muskelkrämpfen. In der Regel tritt die Erkrankung erst ab einem Alter von etwa 50 Jahren auf.
Tic-Störungen
Tic-Störungen können im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten oder eine eigenständige Krankheit sein. Tics unterscheiden sich von gewöhnlichem Augenzucken:
- Sie treten häufiger hintereinander auf.
- Sie sind deutlicher sichtbar.
- Oft sind Tics komplexer.
- Betroffene können einen Tic oftmals zumindest kurzzeitig unterdrücken.
Eine mögliche Erkrankung, in deren Zusammenhang solche Tics auftreten, ist Morbus Wilson. Es kann aber auch beispielsweise eine Gehirnhautentzündung zugrundeliegen.
Augenzucken: Das können Sie dagegen unternehmen
Die „Behandlung“ von harmlosem Augenzucken ist sehr einfach. Oft ist es auch gar nicht nötig, aktiv einzugreifen, weil sie wieder von selbst verschwinden. Dennoch sollten Sie folgende Maßnahmen in Erwägung ziehen, wenn das Augenlidzucken häufiger vorkommt:
- Entspannung: Stress lässt sich mit Sport, Entspannungsübungen, Massagen und weniger Zeit am Smartphone reduzieren.
- Schlafhygiene: Rechtzeitig ins Bett zu gehen, eine ruhige Umgebung im Schlafzimmer zu schaffen und Störquellen während der Schlafenszeit fernzuhalten, unterstützt Ihren Körper bei der Regeneration.
- Augen ausruhen lassen: Um Überanstrengung entgegenzuwirken, sollten Sie regelmäßige Bildschirmpausen einbauen. Auch Lesen kann die Augen anstrengen, sodass Sie nach einer gewissen Lesedauer einmal wieder in die Ferne blicken oder die Augen schließen sollten.
- Ernährung: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung beugt Zuckungen der Augen vor. Verzichten Sie weitgehend auf Alkohol, Nikotin und Koffein und trinken Sie ausreichend Wasser.
- Ärztliche Therapien: Wenn Ihr Augenzucken auf eine Erkrankung wie Spasmus hemifacialis oder Blepharospasmus zurückzuführen ist, kann eine medizinische Behandlung mit Botulinumtoxin (Botox) hilfreich sein. Dadurch wird der Augenmuskel geschwächt und das Zucken unterdrückt. Es gibt auch operative Möglichkeiten, diese werden jedoch nur selten erwogen.
Beeinträchtigt Sie das Augenzucken im Alltag oder in der Arbeit? In diesem Fall ist es ratsam, sich von Ihrem Arzt beraten zu lassen. Dieser wird Ihnen die nötige Hilfe bieten können, um das Augenzucken in den Griff zu bekommen.
Fazit
Augenzucken hat meist sehr harmlose Ursachen. Oftmals steckt ein Mangel an Mineralstoffen oder Vitaminen dahinter. Dieser lässt sich gut ausgleichen, sodass das Zucken der Augenlider nachlassen sollte. Bei zusätzlichen Beschwerden oder wenn das Zucken auch nach längerer Zeit nicht nachlässt, sollten Sie jedoch vorsichtshalber einen Arzt konsultieren. In seltenen Fällen steckt eine Erkrankung hinter dem Augenzucken.





